Objekt und Subjekt in Beziehung

 

 

© Jutta Hollenbach: WortDuett, 2021, Seite 28

 

 

"...In Hauptsätzen, wie zum Beispiel in "ich esse Pfannkuchen", sucht ein Subjekt ein Objekt und stellt etwas mit ihm an. Wenn diese Verknüpfung einmal hergestellt ist, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Wiederholt nämlich das Subjekt, also das Ich, diese Handlung, in dem Fall das Pfannkuchen-Essen, gewinnt das ganze Unterfangen langsam aber sicher an Bedeutung. Die Semantik bekommt Gewicht und womöglich auch das Subjekt, wenn es die Entscheidung trifft, ab jetzt jeden Tag Pfannkuchen zu essen.

 

Ganz offenbar hat das Subjekt bemerkt, dass Pfannkuchen durchaus nach seinem Geschmack sind und ist dazu übergegangen, seine Beziehung zu ihnen zu festigen. Jetzt müssen eiligst Attribute gefunden werden, um der losen Verbindung eine tragfähige Basis zu geben. Pfannkuchen sind dann nicht mehr nur Pfannkuchen, sondern womöglich "leckere, köstliche Pfannkuchen". Macht das Subjekt dann die Erfahrung, dass es durch diese Pfannkuchen-Anhäufung in seinem Magen arge Probleme in der Verdauung bekommt, so gesellt sich zu dem Hauptsatz auf einmal noch ein Nebensatz: "Ich esse zwar sehr gerne Pfannkuchen, muss aber auf meine Verdauung aufpassen". Die Angelegenheit ist komplexer geworden.

 

Ersetzen wir nun den Pfannkuchen durch ein weiteres Personalpronomen, nähern wir uns mit schnellen Schritten der Beziehung zwischen dem Ich und dem Du, und damit dem syn-takt-ischen Element zwischen Menschen. Wenn auch nicht immer takt-voll, werden auch dort erst einmal die Fühler ausgestreckt, nach dem Namen gefragt und erkundet, was man alles so miteinander anstellen kann. Auch dort wird früher oder später um eine tragfähige Beziehung gerungen und die Frage der Besitzverhältnisse geklärt. Und, im Laufe der Zeit, ist auch dort zu beobachten, dass alles umso komplexer wird, je gefestigter die Bindung ist und je länger man sich zu kennen scheint.

 

Also - und an dieser Stelle einmal zusammengefasst - ist es wohl tatsächlich so: Worte sind wahrlich auch nur Menschen. Wie wir, gehen sie Bindungen ein, wollen verstanden werden, sind in mitunter ausdrucksstarke Gewänder gehüllt und werden vor allem dann laut, wenn es um Besitzverhältnisse geht: mein Mann, mein Haus, mein Kind, mein Leben, und nicht zuletzt meine

Mein-ung."

 

 

 

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